| Online-Seite 4 von 10: Abitur Wilhelm II: Bildungsgang 9.10.1876, S. 5-9 |
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<Seite 5> Im Frühjahr 1870 kehrten wir zurück, indem wir die interessantesten Städte berührten. Vor allen Nimes mit dem noch vollständig erhaltenen großen römischen Circus, in welchen noch jetzt Thierkämpfe gegeben werden, dann Orange (das alte Arautio) mit einem ziemlich gut erhaltenen Theater, und einem sehr schönen wohlerhaltenen Triumphbogen des Marius, welcher noch mit Reliefs geschmückt ist. Es war für mich ein ganz eigenes Gefühl, mir zu sagen: ich stehe an den Orten wo vor vielen vielen Jahrhunderten ein Volksgewühl und Gedränge war von Römern und Barbaren, und jetzt alles öde und leer; dahin alle Pracht und Herrlichkeit. Wir machten dann eine kleine Reise durch die Schweiz an den Vierwaldstädter See, und hier sah ich den See der den Tell und seine Thaten gesehen (?) hat, und welcher mir aus Schillers "Wilhelm Tell" wohl bekannt war, wir reisten dann nach Schaffhausen, und bei Schloß Lauffen sah ich den gewaltigen, imposanten Rheinfall, welcher donnernd und tosend <Seite 6> sich dicht unter mir über die Felsen in grünlich weißen Wassermassen herabstürzte. Ich konnte mich am erhabenen Naturschauspiel nicht sattsehn; noch nirgends war ich mir als Mensch so klein und schwach vorgekommen, als hier wie ich am Rheinfall stand. Als wir nach Haus zurückgekehrt waren fing ich meine mathematischen Studien an. Meine Studien überhaupt wurden durch die vielen Reisen welche die Ferien ausfüllten, unterbrochen und nach den Ferien wiederaufgenommen, daher es auch wohl kommen mag, daß meine Kenntnisse nicht so sicher sind, als sie es hätten sein können. Als der Deutsch-Französische Krieg ausbrach, da wäre ich so sehr gern mit hinein in den Kampf gezogen wenn ich nicht so jung gewesen wäre, aber die fortwährenden Siegesnachrichten erfüllten mich mit stolzer Freude, und der Neugier, mit der ich den ersten Reiterhelm vom Schlachtfelde von Wörth die erste Fahne von der Festung "Petitepierre", und die Stadtschlüssel von Nancy <Seite 7> und Bar-le-Duc betrachtete, welche den Franzosen abgenommen worden waren, war ein gutes Stück patriotischen Hochgefühls und nicht wenig Stolz auf die herrlichen Thaten meines Vaters und meiner nächsten Verwandten beigemischt. Um die Mitte des Krieges machten wir Alle mit meiner Mutter zusammen eine Reise nach Homburg, wo wir bis zum November blieben. Hier vernahmen wir mit Jubel die Nachricht von der Schlacht und Uebergabe von Sedan und von der Gefangennahme des Kaisers der Franzosen. Hier richtete meine Mutter ein Lazareth für die Verwundeten ein, und ich ging oft mit und brachte ihnen dieses und jenes um sich die Zeit zu verkürzen. Im nächsten Frühjahr reiste ich von Berlin aus mit meiner Mutter, meiner Großmutter und der Großherzogin von Baden meiner Tante, meinem heimkehrenden Vater und Großvater entgegen. Es war ein ergreifender Augenblick, als wir uns nach dem bedeutungsvollen Kriege wiedersahn, <Seite 8> auch nicht minder erhaben war für uns der Jubel als der Kaiser in Berlin durch die Straßen fuhr. Bald darauf machte ich den Einzug der Truppen in Potsdam und Berlin mit, das war ein Augenblick an dem ich mich gar nicht satt sehn konnte, es war mir vergönnt, hinter meinem Vater, welcher den neuen Feldmarschallstab führte, her zu reiten. Einige Zeit darauf hatte ich die Freude der feierlichen Eröffnung des ersten deutschen Reichstags durch den Kaiser im weiten Saal des Schlosses beiwohnen zu dürfen. |
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Im Jahre 1871 machte ich wiederum mit meinen Eltern und Geschwistern eine Reise nach England. Die erste Zeit brachten wir in London zu, die letzte auf der Insel Wight. Da ich sehr großes Interesse für Seeschiffe und Seewesen überhaupt hatte, so fuhr ich öfters nach dem großen gegenüberliegenden Kriegshafen Portsmouth, und sah dort die Schiffe alter und neuer Construction nebst den Werften und Werkstätten. <Seite 9> Ich hatte auch die Gelegenheit das berühmte Linienschiff zu betreten benannt "Victory" welches der große und tapfere Seeheld Nelson in der Schlacht bei Trafalgar kommandirte und auf welchem er den rühmlichen Tod für das Vaterland starb; eine kleine Kupfertafel auf dem Verdeck bezeichnet die Stelle wo er von der tödlichen Kugel getroffen fiel. |
Im Jahre 1871 machte ich wiederum mit meinen Eltern und Geschwistern eine Reise nach England. Die erste Zeit brachten wir in London zu, die letzte auf der Insel Wight. Da ich sehr großes Interesse für Seeschiffe und Seewesen überhaupt hatte, so fuhr ich öfters nach dem großen gegenüberliegenden Kriegshafen Portsmouth, und sah dort die Schiffe alter und neuer Construction nebst den Werften und Werkstätten. Ich war auch auf dem Linienschiff "Victory", welches der große und tapfere Seeheld Nelson in der Schlacht bei Trafalgar kommandirte und auf welchem er den rühmlichen Tod für das Vaterland starb. |
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Ueberhaupt versuchte ich so viel ich es nur konnte meine Kenntnisse in Bezug [auf] das Flottenwesen zu bereichern, einmal war ich in dem noch viel größeren und ebenso berühmten Kriegshafen Plymouth, in welchem ich das Schiff, welches mein Onkel der Herzog von Edinburg auf seiner Reise um die Welt kommandirt hatte, die "Galathea" sah. |
Ueberhaupt versuchte ich so viel ich es nur konnte meine Kenntnisse in Bezug auf das Flottenwesen zu bereichern. Einmal war ich in demnoch viel größeren und ebenso berühmten Kriegshafen Plymouth.
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Im Spätsommer desselben Jahres kam ich mit meinen Eltern und Geschwistern nach Wilhelmshöhe und somit zum ersten Male nach Cassel. Wilhelmshöhe und somit zum ersten Male nach Cassel. |
Im Spätsommer desselben Jahres kam ich mit der Familie nach Wilhelmshöhe und somit zum ersten Male nach Kassel |
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